Jakobsweg – das würde ich nächstes Mal anders machen

Letztes Jahr, etwa genau zu dieser Zeit, saß ich mit meiner besten Freundin zusammen und plante unseren Trip auf dem portugiesischen Jakobsweg entlang der Küste. Was aus einem Hirngespinst entstand, wurde langsam Realität. Wir lasen Blogbeiträge und Bücher zu dem Thema und hatten dennoch das Gefühl, das wir gänzlich unvorbereitet waren. Außerdem fragten wir uns, ob denn diese Tipps wirklich so zu beherzigen sind? Ich soll nur ein Zehntel meines Körpergewichts auf dem Rücken tragen? Ich brauche Hirschtalgsalbe? Noch wie was davon gehört.

Auch einen Tag vor unserem Flug war ich mir immer noch nicht sicher, ob ich alles Wichtige hatte und alles Unnötige aussortiert hatte. Doch, wie bei allem, ist man im Nachhinein immer schlauer. Also habe ich meine beste Freundin gefragt: Was würdest du anders machen, wenn wir den Weg jetzt wieder bzw. weiter gehen würden?

Gepäck – den richtigen Rucksack richtig bestücken

jakobsweg küsteDen wohl kolossalsten Fehler habe wir beide wohl verdient, denn hier haben wir einfach nicht auf andere hören wollen. Natürlich ist der Tipp, nicht mehr als ein Zehntel des eigenen Körpergewichts zu tragen, Gold wert! Bei mir kam dann noch meine Sturheit und mein Geiz dazu. Ein Jahr zuvor bin ich mit einer anderen Freundin als Backpacker nach Malaysia verreist und hatte mir für diesen Anlass einen Rucksack gekauft (über dessen Kauf ich nebenbei bemerkt ziemlich enttäuscht bin). Für den Jakobsweg und meine Körpergröße war der Rucksack eigentlich zu groß. Statt 60 Liter hätten auch 40 oder höchstens 50 Liter gereicht. Doch ich wollte nicht wieder an die 100 Euro oder mehr für einen Rucksack ausgeben, wenn ich ja schon einen in der Art hatte, nur eben mit 10 bis 20 Litern mehr Fassungsvermögen. Das habe ich auf dem Weg absolut bereut! Der Rucksack saß nie wirklich richtig und ich hatte ihn auch nicht ganz voll gepackt, sodass sich das Gewicht nicht regelmäßig darin verteilte. Zudem schafften wir es nicht, nur 6 kg einzupacken (was eben den 1/10 unseres Körpergewichts entsprach). Allein das viele Wasser wog ja schon an die 2 kg, wie sollen wir denn all unsere Sachen auf nur 4 kg reduzieren? Zwischendrin hätte ich den Rucksack einfach nur gerne weggeworfen und wäre ohne ihn weitergegangen!

Mein Tipp: Unbedingt auf die passende Rucksackgröße achten und das Gewicht so weit es geht reduzieren!

Zur Vorbereitung hatten wir überwiegend ein Ebook über den portugiesischen Jakobsweg benutzt, das auch soweit sehr nützlich war. Über den Weg an sich fehlten uns dann doch ziemlich viele Informationen. Was erwartet uns auf den einzelnen Etappen? Wie können wir uns das denn vorstellen? Wir dachten, man müsse so im Dunkeln tappen und es eben einfach auf eigene Faust erleben. Irgendwie entging uns dabei ein wichtiger Reiseführer, der alle Etappen einzeln zu beschreiben scheint und auch ein Verlaufen vermeidet. An einem Tag führte uns der Weg eben nicht an der Küste entlang, sondern durch die Prärie. Wir sahen ewig nur Wald, Land, Kirchen und Wohnhäuser und nicht wie zuvor kleine Läden oder Cafes, wo man einkehren könnte. Um möglichst wenig zu schleppen, hatten wir kaum etwas zu essen und nur etwa 1,5 Liter zu trinken dabei und das bei 30 Grad im Schatten. Umso glücklicher war ich darüber, mir in Porto noch schnell eine Mütze gekauft zu haben, weil ich meine im Auto am Flughafen vergessen hatte. An einer Wasserstelle, die es auf dem Weg glücklicherweise zahlreich gibt, trafen wir zwei deutsche Mädels, die uns von einem Reiseführer erzählten, der ihnen jede Etappe extrem detailiert schilderte und über Unterkünfte und Läden informierte. Mit dem wäre uns unser Versorgungsnotstand wahrscheinlich nicht so leicht passiert oder wir hätten uns auf die Strecke einfach besser einstellen können.

Mein Tipp: Es funktioniert zwar auch ohne Reiseführer, doch mit ist vermutlich sicherer!

Doch es gibt auch Dinge, die wir richtig eingeplant hatten und die ich immer wieder mitnehmen würde. Eins davon ist auf jedenfall die Hirschtalgsalbe!In Kombination mit passenden Wandersocken hat sie viel gebracht, denn ich hatte nicht eine einzige Blase oder sonstige Schmerzen an den Füßen (außer eben vom langen Gehen an sich). Ich habe natürlich keinen Vergleich, da wir beide sie Salbe jeden Tag benutzt haben, doch ich weiß, dass ich mir zu Hause gerne und schnell Blasen laufe und das auch öfter mal in meinen Wanderschuhen. Ebenso froh war ich über das Paar Wechselschuhe. Am meisten schätzte ich dabei meine Flip Flops, in denen ich am Abend meine Füße entlüften konnte. Aber auch die Turnschuhe waren viel wert, wenn es abends kälter wurde oder wir in ein Restaurant gingen. Jede Sekunde ohne die verschwitzten Wanderschuhe waren nämlich ein Genuß!

Jakobsweg Endpunkt

Einkehren – will ich hier schlafen, will ich hier essen?

Insgesamt muss man auf alle Fälle sagen, dass wir sehr viel Glück hatten, was Unterkünfte und Essen anging. Nur zwei mal hätten wir am liebsten die Flucht ergriffen.

Unterkunftsmäßig hatten wir wohl alles dabei, außer die ganz klassische Pilgerherberge mit Schlafsaal – davon waren wir nach Harpe Kerkelings Film etwas abgeschreckt. Vom Pilgercampingplatz über ein Hostel, einem Zimmer bei einem Portugiesen hin zum Hotelzimmer haben wir vieles ausprobiert – mal auf gut Glück und mal mit einem Tag vorbuchen. Ein Hostelzimmer hat uns dabei sehr enttäuscht, weil es nicht wirklich billig war und ein eigenes Bad versprach, stattdessen bekamen wir einen schiefen Boden, bei dem man alles rollen lassen konnte und ein Bad, das man nicht benutzen konnte, weil die komplette Duschen grün vom Schimmel war.

Mein Tipp: Wenn ihr früh am Tag (ruhig schon ab 15 Uhr) was ansprechendes findet, schlagt zu. Später wird es oft schwierig, was gutes und günstiges zu bekommen oder man muss sehr lange suchen, bis man überhaupt ein Bett findet.

Lasst euch außerdem ein Zimmer vorher zeigen, wenn ihr noch eine Wahlmöglichkeit habt. Warum für ein eigenes Bad bezahlen, wenn ihr es nicht nutzen könnt?

Auch kulinarisch waren wir viel unterwegs. Von himmlisch guten und günstigen Restaurants über Cracker aus dem Supermarkt haben wir auch hier viel Verschiedenes getestet. Was wir nicht wussten ist, dass die Restaurants (und logischerweise auch Supermärkte) sonntagsabends geschlossen haben. So standen wir nach einem anstregenden 30 km Marsch in einer leeren Stadt. Von zahlreichen Restaurants war nur eins geöffnet und das sah nicht wirklich einladend aus. Da aber viele Einheimische dort aßen, wogen wir uns in Sicherheit. Wenige Stunden später bekam ich die Quittung dafür, denn ich kam einen ganzen Tag nicht aus unserem Bad raus! Hätten wir eine andere Möglichkeit gehabt, hätten wir dort nie gegessen. Doch hungern wollten wir auch nicht.

Mein Tipp: Hört auf euer Bauchgefühl und erkundigt euch zuvor über Öffnungszeiten von Restaurant und Supermarkt. Wenn nichts mehr auf hat, besser vorher was kaufen und bis abends rumtragen.

Auch wenn wir durchaus so unsere schlechten Momente auf dem Weg hatten, bin ich so unglaublich froh und dankbar, die Erfahrung gemacht zu haben. Und dass ich im Nachhinein noch so einiges ändern würde, ist doch ganz klar. Wie wäre der Trip denn geworden, wenn alles einfach nur 100% gewesen wäre und wir rein gar nichts ändern würden? Ich bin den Weg gegangen, um an meine Grenzen zu stoßen und etwas über mich selbst zu lernen. Und das habe ich definitiv!

Ein paar nützliche und weiterführende Links:

Über den Camino Potugues und das Ebook, das wir hatten

Der Wanderführer und einzelne Etappen im Überblick

Die verschiedenen Jakobswege im Überblick

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